Kämmerer Harald Fischer legt einen Haushaltsplan mit Rekordvolumen vor. Großprojekte sind der Bau der Schulturnhalle und die Revitalisierung des Rosenthal-Areals.

Waldershof Angesichts des Zahlenwerks möchte er sich eigentlich die Augen reiben, sagte Kämmerer Harald Fischer, als er am Montagabend in der Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses den Haushaltsplan der Stadt Waldershof für das Jahr 2016 vorstellte. „Ich habe noch nie mit so vielen und so hohen Zahlen gearbeitet.“ Der Vermögenshaushalt mit den geplanten Investitionen hat ein Rekordvolumen. Es liegt nach derzeitigem Stand bei etwa 9,5 Millionen Euro. Zieht man die Tilgungsleistung ab, dann bleiben rund neun Millionen Euro, die die Stadt Waldershof heuer investiert.

Zwei Großprojekte muss die Stadt stemmen. Da ist zum einen der lang geplante Bau der Schulturnhalle, der im April oder im Mai beginnen soll. Hierfür stehen rund zwei Millionen Euro im Haushalt. Zuschüsse sind erst ab dem Jahr 2017 eingeplant. Und dann geht die Revitalisierung der Rosenthal-Brache weiter. Nach den Abrissarbeiten im vergangenen Jahr stehen heuer restliche Abbruchkosten und Erdbewegungen mit 850 000 Euro im Etat plus Rekultivierungskosten für die dortige Deponie in Höhe von 815 000 Euro. Hierfür gibt es Zuschüsse in Höhe von 70 Prozent. Kämmerer Fischer geht mittlerweile von Gesamtkosten in Höhe von rund drei Millionen Euro für die städtebauliche Sanierung der Rosenthal-Brache aus. In den Jahren 2015 bis 2017 bekomme man eine Gesamtförderung von gut zwei Millionen, bleibe also ein Eigenanteil der Stadt von rund 900 000 Euro.

Für 2016 ist auch schon die innere Erschließung des Rosenthal-Areals, das zu einem großen Gewerbegebiet werden soll, geplant. Die Baukosten für eine Stichstraße mit Wendehammer und einen Parkplatz auf der Deponie sind inklusive der Nebenkosten mit 1 360 000 Euro im Haushalt angesetzt. Hier sollen Erschließungsbeiträge wieder Geld in die Stadtkasse spülen. Langfristig gesehen, soll das neue Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Rosenthal-Gelände der Stadt ohnehin wieder Geld einbringen. So hat der Kämmerer für heuer 950 000 Euro an Einnahmen aus Grundstücksverkäufen – Gewerbeflächen auf dem Areal – eingeplant.

Auch in die Abwasserbeseitigung und die Wasserversorgung investiert die Stadt Waldershof. Die Verlegung von Kanälen auf dem Rosenthal-Gelände kostet gut 400 000 Euro. An den Investitionen in der Kläranlage Marktredwitz beteiligt sich die Stadt Waldershof mit 392 000 Euro. Bei der Wasserversorgung summieren sich die wichtigsten Vorhaben auf rund eine halbe Million Euro.

Die Freiwillige Feuerwehr Waldershof bekommt ein neues Fahrzeug, ein LF 20, das insgesamt 390 000 Euro kostet. Heuer gibt es erst einmal das Fahrgestell, den Rettungssatz und diverse Ausrüstungsgegenstände für insgesamt 135 000 Euro. Außerdem gewährt die Stadt der Feuerwehr Waldershof Zuschüsse in Höhe von 40 000 Euro für Rettungsspreizer, Digitalfunk und Wärmebildkamera.

Die Erschließung des Gemeindegebiets mit schnellem Internet ist mit Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Im Rahmen der Breitbandinitiative des Freistaats gibt es eine stattliche Förderung. Kämmerer Fischer rechnet mit 920 000 Euro.

Neben den Großprojekten gibt es noch eine Reihe von kleineren Vorhaben. Wie finanziert Waldershof all diese Ausgaben? Die Stadt profitiert in erster Linie von den örtlichen Unternehmen und Betrieben. Kämmerer Fischer hat für heuer Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von rund fünf Millionen Euro eingeplant – ein realistischer Ansatz, wie die vergangenen Jahre zeigten. Rücklagen hat die Stadt Waldershof keine mehr, dafür aber im Jahr 2015 einen Überschuss von knapp eineinhalb Millionen Euro erwirtschaftet, der in den Haushalt 2016 fließt. Trotz der sprudelnden Einnahmen aus der Gewerbesteuer muss Waldershof neue Schulden machen, um die gewaltigen Investitionen finanzieren zu können. So geht der Kämmerer von einer Kreditaufnahme in Höhe von 1,8 Millionen Euro aus, wobei er „gut“ gerechnet hat. Es könnte also sein, dass am Ende des Jahres die tatsächliche Kreditaufnahme nicht so hoch, wie im Haushalt eingeplant, ist, wie er den Mitgliedern des Hauptausschusses erläuterte.

Insgesamt hat der Waldershofer Haushalt nach derzeitigem Stand ein Volumen von rund 20 Millionen Euro, der Verwaltungshaushalt bewegt sich bei 10,7 Millionen. Die Mindestzuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt erreiche man dank der guten Steuereinnahmen problemlos, sagte Fischer. Bürgermeisterin Friederike Sonnemann dankte ihm für seine Arbeit, für „Weitsicht, Umsicht und Vorsicht“. „Kurzsichtig bin ich auch“, scherzte der Brillenträger. Das Gremium akzeptierte schließlich nach längerer Beratung einstimmig den geplanten Haushalt.

Ich habe noch nie mit so vielen und so hohen Zahlen gearbeitet.

Kämmerer Harald Fischer

Quelle: Frankenpost, 22. März 2016, 09:30